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Papiertheater

v2019-11-19


Theater für wenige …

Papiertheater sind keine neue Erfindung; eine Tradition solcher Kleinstbühnen gibt es mindestens seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts, als kulturelles Interesse und kostengünstig herstellbare Lithografien zusammentrafen und eine neuartige Unterhaltung im Familienkreis ermöglichten. Zunächst in Deutschland und England, später fast überall in Europa, produzierten Verlage Bühnenportale, Kulissen und Figurenbögen, häufig als Komplettsatz für ein bestimmtes Stück und einschließlich eines familiengerecht gekürzten Textes. Der Bühnenausschnitt lag und liegt typischerweise bei 20-40 cm Breite und 15-30 cm Höhe, obwohl es durchaus kleinere und größere Bühnen gibt. In Japan entstand Anfang des 20. Jahrhunderts eine spezielle Form des Papiertheaters, das Kamishibai, mit dem fahrende Händler die Kunden unterhielten.

Papiertheaterbühne

Gemeinsam ist allen Papiertheaterformen, dass die Zahl der Zuschauer begrenzt ist. Je nach Größe der Bühne und nach künstlerischem Anspruch sind kaum mehr als 15-30 Zuschauer zu „bespielen“; wenn es mehr werden, sehen die hinteren Reihen ja kaum noch etwas. Es lässt sich also mit dem Aufführen von Papiertheatervorstellungen auch nicht viel Geld verdienen, und deswegen gibt es auch nur wenige professionelle Bühnen.

… Spaß für viele

Papiertheater ist heute also meist etwas für Enthusiasten, die nicht darauf angewiesen sind, davon zu leben. Und davon gibt es doch, wie man erstaunt feststellt, eine ganze Menge. Meist im Verborgenen bauen sich Menschen mit mehr oder weniger künstlerischem Anspruch, aber viel Spaß an der Sache ihre Bühnen, schreiben und inszenieren Stücke, malen Kulissen und Figuren und führen das Ergebnis dann im Familienkreis oder in kleinen Bühnen auf. Selten werden diese Aufführungen mal so richtig bekannt. Selbst das größte Papiertheatertreffen Europas, seit 1987 regelmäßig von der Volkshochschule Preetz in Schleswig-Holstein veranstaltet, ist fast nur Insidern bekannt. Gut so, denn die Karten zu den vielen Vorstellungen an einem Wochenende sind auch so schon immer viel zu schnell vergeben. Und was man da zu sehen bekommt! Neu inszenierte Klassiker, fantasievolle Krimi- und Gruselstücke, wilde Geschichten, wie sie das Leben nie so schön schreiben könnte, und wunderschöne Kinderstücke. Ebenso vielfältig wie die Stücke sind die Bühnen: Vom High-Tech-Bühnenhaus mit computergesteuerten Lichtern bis hin zu Bühnen, die zu 80% aus Leukoplast und Bindedraht bestehen, gibt es alles, selbst Bühnen, die komplett aus einem kleinen Vulkanfiberkoffer auferstehen und nach der Vorstellung wieder darin verschwinden.

Papiertheaterfiguren

Wenn Sie die Möglichkeit haben, mal eine Papiertheateraufführung zu besuchen, tun Sie es! Sie werden erstaunt sein, wie man mit einfachen Mitteln, aber guten Ideen ein Publikum faszinieren kann.

Wolkentheater

Eigentlich ist das kein Papiertheater, aber es gibt doch viele Gemeinsamkeiten. Der französisch-englische Landschafts- und Bühnenmaler Philippe-Jaques de Loutherbourg (der Jüngere) eröffnete 1781 am Leicester Square sein Eidophusikon (griech. „Bild der Natur“), eine guckkastenähnliche Bühne von ca. zwei Metern Breite, auf der er zur Verblüffung und Freude der Londoner Gesellschaft Szenen aufführte, die Naturschauspiele zum Thema hatten. Mit großem Aufwand an Beleuchtungs- und Toneffekten inszenierte er Schiffbrüche im Sturm, Sonnenaufgänge über der Themse und andere Ereignisse, bei denen er die Natur wirkungsvoll nachbilden konnte.

Eidophusikon

Eine aus baulichen Gründen etwas verkleinerte Nachbildung des Loutherbourgschen Eidophusikons ist im Altonaer Museum in Hamburg zu sehen; wesentlich am Nachbau beteiligt war Robert Poulter, der mit dieser Bühne auch einige Papiertheaterkurse leitete. Viele der Techniken dieser Miniaturbühne sind dem Papiertheater ähnlich oder lassen sich gut übertragen, auch wenn Kunsthistoriker das Eidophusikon eher als frühen Vorläufer des Films sehen.

Projekte

Tja, viele Projekte sind leider nur Pläne in meinem Kopf und Ansammlungen von interessanten Materialhäufchen. Hier sind einige weiterführende Informationen und meine aktuelle Projektliste:

Literaturhinweise

  • Max Eickemeyer: Das Kindertheater, sein Bau und seine Einrichtung (J.F. Schreiber, Esslingen 1922)
    Historischer Klassiker, nur noch antiquarisch zu bekommen.
  • Dietrich Grünewald: Vom Umgang mit Papiertheater (Volk und Wissen, Berlin 1993, ISBN 3-06-102815-3)
    Ein aktuelles Taschenbuch, das einen guten Überblick über das Thema gibt.
  • Robert Poulter: Model Theatre (Video Rideo Press, Ramsgate 1996, ISBN 1-85379-249-7)
    Wunderbares englisches Büchlein des Grafikers und Papiertheaterenthusiasten Robert Poulter, das sehr praktisch den Weg zu eigenen Theater und zur ersten Vorstellung zeigt.
  • Hedwig Rost und Jörg Baesecke: Höher als der Himmel, weiter als das Meer (Wilfried Nolt, Frankfurt/Main 2007, ISBN 978-3-935011-62-4)
    Ein Erzähl- und Theaterwerkbuch, das viele Techniken anspricht und richtig Lust aufs Erzählen macht.
  • Birgit Verwiebe: Lichtspiele, Vom Mondscheintransparent zum Diorama (Füsslin Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-9803451-5-7)
    Ein Seitenblick auf das Thema; Lichtspiele, Transparenzen usw. werden auch im Papiertheater gerne eingesetzt.
  • Lietarturhinweise zu Kamishibai: siehe hier