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Papiertheater-Steckbühne im Eigenbau

v2019-11-19


Idee und Vorbild

Auf einer zusammenlegbaren Bühne ähnlicher Größe und Art spielt Robert Poulter seit Jahren, und dass sie inzwischen überwiegend aus Klebeband und Flicken besteht, tut der Macht seiner Vorstellungen keinen Abbruch. Eine sehr schöne Selbstbauanleitung für so eine Bühne enthält auch Robert Poulters Buch „Model Theatre“.

Robert Poulter

Bauplan und Konstruktion

Schnittmuster für Kartonplatten

Mein Ziel war, eine zerlegbare Bühne zu entwerfen, die leicht zu bauen ist, mit einfachen und billigen Materialien auskommt und eine praktische Größe hat; „praktische Größe“ bedeutete für mich auch, dass man die ganze Bühne aus einem Standardbogen Pappe bauen kann (70x100 cm).

Ich wollte einen Bühnenausschnitt ungefähr im DIN A4-Format haben, als Bauprinzip wählte ich die Variante "Führungsschlitze im Bühnenboden", und als Material schwarze KAPA-Platten (Karton-Hartschaumplatten, Foamboard) von 5 mm Stärke. Wenn Sie lieber auf einem glatten Bühnenboden spielen, lassen Sie einfach die Schlitzführungen weg, oder decken Sie die Schlitze mit einer stabilen Pappe ab– dann haben Sie sogar beide Optionen.

Papiertheater-Sebstbau

KAPA-Platten gibt es nicht überall, aber gute Bastelgeschäfte führen sie, und natürlich kann man die Bühne auch aus festem Karton bauen, z.B. aus dicker Graupappe oder Finnpappe (Maschinenholzpappe). KAPA-Platten sind sehr leicht zu verarbeiten (ein Teppichmesser genügt), allerdings sind auch empfindlich. Vor allem die Kanten werden leicht abgestoßen; man muss sie gut behandeln, um lange etwas davon zu haben.

Die folgenden Bilder beschreiben die Konstruktion; die Farben geben Hinweise, welche Teile zusammengehören. Die beige-karierten Teile sind nur Vorschläge für einen Vorhang, sie gehören nicht zur eigentlichen Konstruktion. Ich weiß, eine richtige Bauanleitung ist das nicht, die schreibe ich vielleicht später einmal.
(Ein Klick auf das Bild öffnet jeweils eine größere Ansicht.)

Papiertheater-Sebstbau Diese Bild zeigt, wie die Kartonplatte der Größe 100x70 cm zerlegt werden muss. Die beige gezeichneten Flächen werden später zu den langen Streifen für die Querriegel und für die Front- und Hintergrundkulissenführungen.

Papiertheater-Sebstbau Hier sehen Sie, wie die ausgeschnittenen Flächen zu Streifen zerlegt werden. Die Streifenfarbe zeigt, wo der jeweilige Streifen später hingehört.
Die beiden oberen Flächen (gelb-blau-türkis-grün und türkis-grün) sind die beigefarbigen Flächen des ersten Bildes.

Papiertheater-Sebstbau So sieht das Theater von vorne aus. Eingezeichnet sind zwei verschieden große Frontausschnitte; wenn Sie den kleineren Ausschnitt wählen, müssen Sie im vorigen Bild den rechten Streifensatz (violett-blau-gelb) entsprechend anpassen. Auf die kleinen, violetten Klötzchen an der Vorderkante können Sie ein Proszenium aufstecken. Das gelbe Dach und die violetten Träger sind ein Teil.

Papiertheater-Sebstbau Die Ansicht von hinten. Der Rückwandausschnitt ermöglicht transparente, hinterleuchtete Hintergrundkulissen, der Dachausschnitt ist für Beleuchtung oder für das Führen von Figuren von oben her gedacht.
Um die Querteile, die links und rechts als kleine Zapfen mit halbkreisförmigen Ausschnitten hervorstehen, können Sie Gummibänder spannen, um die Bühne fester zusammen zu halten.

Papiertheater-Sebstbau Hier sehen Sie das Innenleben besser. Streifen am Boden und am Dach greifen jeweils in Schlitze, die aus Streifen an Front und Rückseite gebildet werden. Die Führungsschienen für die Figuren sind stumpf aufgeklebt, und zwar gegeneinander versetzt, damit Sie die Figuren leichter "Einfädeln" können. Zwischen den Führungen ist Platz für Setzstücke und Figuren, die auf einer Holzleiste geführt werden.

So sieht sie aus: Das Ergebnis

Hier ein paar Fotos von der fertigen Bühne, ohne alle Extras (ein Klick auf das Bild öffnet eine größere Ansicht in einem neuen Fenster):

Papiertheater-Sebstbau Die komplette Bühne, mit einem (etwas zu kleinen) Kulissenteil/Proszenium von Robert Poulter ("Capt'n Brogas und die letzten Dinosaurier").
Die seitlich herausstehenden Zapfen kann man bei Bedarf mit Gummibändern sichern.

Papiertheater-Sebstbau Das Theater zerlegt...

Papiertheater-Sebstbau ...und für den Transport zusammengepackt.

Papiertheater-Sebstbau Blick von der Seite in den "Bühnenraum". Zu erkennen sind die vorderen und hinteren Schlitze für Front- und Hintergrundkulissen und die beiden Schlitzreihen für die Figuren und Seitenkulissen. Ein Proszenium könnte man an den Klötzchen befestigen, die vorne auf dem Dach sind. Das Loch im Dach ist für die Beleuchtung gedacht.


Zubehör und Extras

Natürlich ist das erst der Anfang einer echten Bühne. Was noch fehlt, sind die Bühnenfront, ein Vorhang, die Beleuchtung und natürlich Kulissen und Figuren. Hier fängt Ihre Arbeit an. Die Grundregel lautet: Halten Sie es einfach!
Weiterführende Informationen finden Sie auch auf meiner Seite "Selbst spielen".

Bühnenfronten (Proszenien) kann man fertig kaufen, aber natürlich auch selbst gestalten. Das macht viel Spaß und gibt Ihrer Bühne einen eigenen Charakter. Die beiden Pappwinkel auf dem Bühnendach sind dazu gedacht, ein Proszenium zu befestigen, und Sie können sich natürlich auch mehrere Fronten zum Wechseln anfertigen.
Ob Sie das Theater bei der Vorstellung ringsherum mit Stoff verhängen und für die Zuschauer „unsichtbar“ spielen oder ob sie lieber für alle sichtbar sein wollen, müssen Sie selbst entscheiden.

Als Vorhang können Sie Pappstücke nehmen, wie sie auf den Konstruktionszeichnungen abgebildet sind. Beliebt sind aber auch Konstruktionen mit „theatermäßig“ senkrecht fallenden Vorhängen. Ein Tip: Echter Stoff wirkt gar nicht so gut, er hat den „falschen Maßstab“, ist für die Größe des Vorhangs zu steif und fällt deswegen nicht schön; auf Pappe gemalter Stoff sieht oft besser aus und ist leichter zu handhaben.

Beleuchtung muss erstens sicher und zweitens einfach sein. Sicher bedeutet, dass es eine elektrische Beleuchtung ist (also kein offenes Feuer!), die entweder mit Batteriespannung auskommt oder den VDE-Vorschriften genügt. Dies ist kein Gebiet, auf dem Laien herumprobieren sollten!
Für den Anfang empfehle ich einfache Glühlampen, z. B. billige Klemmspots, weil man sie sehr leicht mit einem Dimmer versehen kann. Niedervolt-Halogenlampen sind elektrisch sehr sicher und vielseitig, werden aber richtig heiß – Achtung, Brandgefahr! Außerdem kann man nicht alle Halogenlampen dimmen. Energiesparlampen sind ungeeignet, sie geben hässliches Licht und sind meistens nicht dimmbar. LEDs sind toll, aber etwas aufwändiger, wenn Sie dimmbar sein sollen, das gehört derzeit noch zum halb-professionellen Bereich.
Vielleicht versuchen Sie es für den Anfang mit ein, zwei Klemmspots, die Sie irgendwo herumliegen haben, und ein paar Taschenlampen für Lichteffekte?

Kulissen und Figuren können Sie fertig kaufen, aber man muss wissen, wo man fragen kann. Es gibt im Fachhandel (s. u.) fertige Sätze von Kulissen, Setzstücken und Figuren, oft sogar zusammen mit fertig überarbeiteten Texten, ganz in der Tradition der biedermeierlichen Wohnzimmertheater. Das ist ein einfacher und schneller Einstieg. Vielleicht macht es Ihnen aber mehr Spaß, einen Ihrer Lieblingstexte selbst zu inszenieren?

Musik und Töne beleben Ihre Stücke. Ob Sie live sprechen und Geräusche machen, den Hintergrundton vielleicht lieber von CD oder vom MP3-Player einspielen oder sogar den gesamten Ton vorher aufnehmen, schneiden und dann bei der Vorstellung nur noch abspielen, ist Ihre Wahl; bei Profis sieht man alle Varianten. Wichtig ist eher, was man macht, und nicht wie man es technisch umsetzt. Vorher eingespielter Hintergrundton hat für Anfänger den Vorteil, dass sie sich auf Text und Spiel konzentrieren können, aber er gibt Ihnen auch einen strikten Takt vor, aus dem Sie während des Spiels nicht einfach ausbrechen und improvisieren können. Außerdem kommt es dabei sehr auf die Qualität der Tonanlage an; schlechter, vor allem dumpfer Klang kann eine ganze Vorstellung ruinieren.

Literaturhinweise

  • Robert Poulter: Model Theatre (Video Rideo Press, Ramsgate 1996, ISBN 1-85379-249-7)
    Wunderbares englisches Büchlein des Grafikers und Papiertheaterenthusiasten Robert Poulter, das sehr praktisch den Weg zu eigenen Theater und zur ersten Vorstellung zeigt.